Grundsätze: Individualisierung, Selbständigkeit,
Eigenverantwortlichkeit
- Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler der
gymnasialen Oberstufe muss die Perspektiven "Studium" und "Berufsausbildung"
gleichwertig behandeln.
- Berufsorientierung bedarf der Kontinuität; punktuelle
Informationen etwa durch Mitarbeiter der Agentur für Arbeit sind
unzureichend.
- Berufsorientierung muss Bestandteil eines stringenten Konzepts der
Schülerlaufbahnberatung sein, die die individuellen Interessen und
Probleme der Schülerinnen und Schüler nicht nur respektiert,
sondern zum Ausgangspunkt aller berufsorientierenden Maßnahmen
macht.
- Berufsorientierung darf nicht "verschult" werden; vor allem
heißt das, dass die BO nicht in ein enges Korsett schulischer
Pflichten gezwängt und ebenso wenig Gegenstand von
Leistungsbewertungen sein darf. Berufsorientierung muss weitgehend auf
freiwilliger Basis erfolgen.
- Soweit Schülerinnen und Schüler zu BO-Veranstaltungen
verpflichtet werden, müssen sie die Möglichkeit haben, ihren
Interessen gemäß zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen.
- So haben sie auch selbst zu entscheiden, ob sie in der 12. Klasse ein
Betriebspraktikum absolvieren oder am BO-Programm teilnehmen.
- Berufsorientierung muss individuellen Bedürfnissen und
Lebenslagen Rechnung tragen; Massenveranstaltungen in der Art von
Vorlesungen sind daher kaum zweckmäßig.
- Berufsorientierung kann nicht den Anspruch erheben, möglichst
umfassend und vollständig zu informieren, sie soll vielmehr
Schneisen in den Informationsdschungel schlagen.
Ein zeitgemäßes BO-Konzept muss sicherstellen, dass
- Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, im
Rahmen eines umfangreichen Angebots den eigenen Interessen und Bedürfnissen
folgend selbständig ihren Beratungsbedarf zu bestimmen;
- Schülerinnen und Schüler sich frei von der
Zwangsvorstellung oder opportunistischen Neigung, den Erwartungen der
Lehrenden folgen zu müssen, eigenverantwortlich mit ihrer
Ausbildungs- und Berufsperspektive auseinandersetzen;
- anstelle der bei BO-Maßnahmen verbreiteten Tendenz, möglichst
umfassend und vielfältig zu informieren, eine gezielte individuelle
Beratung erfolgt.