Liebe Schülerinnen und Schüler der Peter-Petersen-Schule!



Hier unsere vorläufige Antwort auf die Frage:

Soll die neu angelegte Streuobstwiese im Eschersheimer Feld gedüngt werden oder nicht

 

ZIEL:

Wir haben bei unseren Arbeiten gemerkt, daß es darauf ankommt zu wissen, welches Ziel Ihr verfolgen wollt. Wir sind davon ausgegangen, daß Ihr daran interessiert seid, daß in der Streuobstwiese viele Tiere und Pflanzen leben können und ihr mit einem normalen Ertrag zufrieden seid.

Unter diesem Ziel heißt die Frage nach der Düngung:

 

Zusammenfassung und Empfehlungen:

Boden:

Wir haben die Bodenart als "Lehm" bzw. "schwerer Lehm" bestimmt. Ihr könnt davon ausgehen, daß dies ein guter Boden ist, der nährstoffreich ist, das Wasser gut halten kann und bei einem üppigen Bodenleben auch gut durchlüftet ist.

Bodenanalyse:

Nach unseren Untersuchungen liegen die Werte im optimalen Bereich (gute Versorgung), nur bei Phosphor scheint ein akuter Mangel zu bestehen. DaPhosphor im Boden fest gebunden ist, gibt es vermutlich genügend im Boden. Er muß nur durch die Bodenlebewesen für die Pflanze verfügbar gemacht werden. Deshalb ist der Phosphormangel kein Grund, düngen zu müssen.

 

Daher unsere Empfehlungen:

Legt eine Baumscheibe um jeden Baum an. Hackt diese regelmäßig frei. Nur 2-3 cm tief hacken, so daß gerade die Wurzeln der Gräser und Kräuter von dem Sproß getrennt werden. Die Baumwurzeln müssen unversehrt bleiben. Laßt die Kräuter auf der Baumscheibe liegen (mulchen). Sie liefern bei der Verrottung wieder Mineralsalze für die Pflanzen und stellen damit entzogene Stoffe wieder zur Verfügung. Ansonsten würden wir gegenwärtig nicht düngen.

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Genauere Informationen:

 

Düngung:

Im allgemeinen geht man davon aus, daß die Stoffe, die durch die Ernte entnommen werden, wieder durch Dünger ersetzt werden. Bei Streuobstwiesen geschieht dies jedoch nur, wenn ein wirtschaftliches Interesse an den Obsternten oder an dem Heu besteht. Ansonsten wird "gemulcht". D.h. daß der Grasschnitt auf der Wiese verbleibt und leicht in den Oberboden eingearbeitet wird.

 

Es gibt folgende Düngungsweisen:

Konventionell: Mineralische Dünger, die die Mineralsalze der Pflanze in leicht aufnehmbarer Form anbieten. Nachteile: Überdüngung ist leicht möglich. Dadurch gelangen die Salze ins Grundwasser und belasten damit unser Trinkwasser (z.B.Nitrat). Auch können die Salze das Bodenleben vorübergehend schädigen (z.B. durch Verätzungen). Überdüngung ist an den Pflanzen nicht so leicht zu erkennen (starker Wuchs ("mastig")), sie werden aber für Krankheiten und Schädlinge anfälliger.

Biologisch: organische Dünger (z.B. Mist, Algenkalk, Gesteinsmehle), d.h. Minderalsalze in schwer lösbarer Form, weil die Bodenlebewesen diese erst für die Pflanzen umwandeln müssen. D.h. Anregung des Bodenlebens und Anregung des Wurzelwachstums durch schwerere Erreichbarkeit der Mineralsalze. Überdüngung wird versucht auch dadurch zu verhindern, daß man auf maximale Erträge verzichtet. Hinzu kommen Maßnahmen, die die Bodenfruchtbarkeit erhöhen, etwa durch Gründüngung.

 

Wenn gedüngt werden sollte, so sollte das Ziel sein, den Humusanteilzu vergrößern. Damit sind Bodenkrümel gemeint, die durch die Verdauung z.B. von Regenwürmern gebildet werden. Sie sind deshalb so wertvoll, weil sie einerseits Mineralsalze an sich binden und zum anderen selber noch von Bodentieren zu Mineralsalzen abgebaut werden können. Man erreicht dies durch organische Düngung (abgestorbene Pflanzen, Mist, Jauche).

 

Bodenleben:

Das Bodenleben ist darüber hinaus für den Boden auch deshalb wichtig, weil Regenwürmer u.a. den Boden durchwühlen. Sie schaffen dadurch Gänge und vermischen den Boden. Dadurch kann Wasser und Luft besser auch in tiefere Schichten vordringen. Luft und Wasser sind für Pflanzen sehr wichtig. Wenn gedüngt werden soll, sollte dies mit organischen Stoffen (also abgestorbene Pflanzen vor allem, Jauche, Mist u.ä.) geschehen. Dadurch haben die Bodenorganismen Nahrung, vermehren sich und verbessern den Boden. Das kommt den Pflanzen zugute.

 

Obstqualität:

Untersuchungen zeigen, daß biologisch gedüngte Obstanlagen qualitativ besseres Obst produzieren. Dies kann man an dem höheren Gehalt von Mineralstoffen und Vitaminen ablesen. Demgegenüber haben sie weniger unerwünschte Stoffe in sich (z.B. Nitrat(meist aus dem Dünger) und Natrium (aus dem Kochsalz)).

 

Baumscheiben:

Wenn die Bäume umgepflanzt werden, verlieren sie teilweise oder ganz ihre Saugwurzeln. Sie können also in der ersten Zeit keine oder kaum Minderalsalze aufnehmen, bis sie neue Saugwurzeln gebildet hat. Solange die Saugwurzeln nicht gebildet sind, muß der Baum von seinen Reserven leben. Deshalb ist es sinnvoll im ersten Jahr eine Baumscheibe anzulegen, die andere Pflanzen fernhält. Man hackt alle Pflanzen um den Baum herum ab. Dadurch verhindert man, daß sie dem Baum Nährstoffe wegnehmen. Die Baumscheibe sollte drei Jahre lang gepflegt werden. Die Baumscheibe sollte aber nicht völlig unbedeckt bleiben, weil sich dies ungünstig auf die Bodenstruktur auswirken soll (vermutlich Verdichtung des Bodens).

 

Damit wären die wichtigsten allgemeinen Informationen zusammengestellt.

 

Die Bodenanalysen:

Bodenanalysen sollten vor einer beabsichtigen Düngung auf jeden Fall vorgenommen werden, damit man nicht zuviel düngt. Hier zunächst einmal die Untersuchungsergebnisse:

Wir haben folgende Werte im Boden gemessen. Sie wurden mit Tests des Viscolor- Bodenkoffers (Macherey-Nagel Düren) ermittelt.

Entnahmestelle

Tiefe

cm

pH-

Wert

Nitrat

g/m2

Nitrit

mg/100g

Ammonium mg/100g

Phosphor

mg/100g Boden

Kalium

mg/100g Boden

               

Alte Wiese Mitte

20

6,0

0

0

0

1,15

<4,8

Alte Wiese Mitte

60

6,0

0,97

0

0

1,15

<4,8

               

Kontrolle alte Wiese

0-30

5,0

0

0

0

1,15

<4,8

Kontrolle neue Wiese

0-30

5,5

0

0

0

3,45

30,24

               

Neue Wiese Mitte

20

6,0

1,24

0

0

3,45

11,04

Neue Wiese Mitte

60

5,5

1,17

0

0

1,15

76,8

Neue Wiese Rand

20

6,0

2,82

0

0

3,45

43,2

Neue Wiese Rand

60

6,0

5,69

0

0

5,75

48

Die Proben aus 20 bzw. 60 cm Tiefe wurden Ende Oktober entnommen, am 7. Dezember untersucht.

Die Kontrollen wurden am 13.12. entnommen und am 14.12. untersucht. Sie wurden als Mischprobe von Spatenabstichen aus 0 - ca.30 cm Tiefe von 6 Entnahmepunkten der neuen Wiese und 3 Punkten der alten Wiese gewonnen.

 

Beurteilung:

Nach unseren Informationen liegen die Werte im optimalen Bereich, nur bei Phosphor scheint ein akuter Mangel zu bestehen.

Bei Phosphor ist aber zu beachten. Er ist relativ fest im Boden gebunden, schwer wasserlöslich und wird nicht ausgewaschen. Phosphordünnger daher meist nur zu Phosphoranreicherung im Boden mit unerwünschten Folgen: Spurenelemente wie Bor und Mangan werden so festgelegt, daß die Pflanzen diese nicht mehr aufnehmen können und es zu Mangelerscheinungen dieser Spurenlemente kommt. Bodenlebewesen sind oft nötig, um ihn der Pflanze verfügbar zu machen. Der pH-Wert (Säuregrad, der Wert 7 ist neutral) der Streuobstwiese ist günstig für eine Phosphatfreisetzung. Deshalb wird keine Düngung mit Phosphor geraten. Sollte es zu Mangelerscheinungen kommen, kann immer noch gedüngt werden. Denn man kann durch falsche Düngung das ganze Gefüge des Bodens durcheinanderbringen.

Nitrit und Ammonium konnten wir nicht nachweisen. Dies zeigt einen gut durchlüfteten Boden an, in dem diese Stoffe schnell zu Nitrat abgebaut werden.

Der Gehalt an Nitrat (Stickstoff) war bei den Kontrolluntersuchungen Null. Dies kann heißen:

Stickstoff wird nämlich auch durch die Luft in den Boden eingetragen (z.B. durch Autoabgase). Bakterien können ihn aus der Luft zu Nitrat umwandeln, so daß die Pflanzen ihn aufnehmen können. Er ist auch reichlich in Eiweiß enthalten. Wenn dies von Bodenlebewesen zersetzt wird, kommt dies den Pflanzen zugute. In der Regel ist immer genügend Nitrat vorhanden.

Andererseits ist Nitrat gut wasserlöslich und wird deshalb leicht ausgewaschen (Gefahr fürs Grundwasser!). Deshalb sollte man erst dann düngen, wenn wirklich ein Nitratmangel an den Pflanzen festgestellt wird. Dies kann über eine Spritzung der Blätter oder in leicht löslicher Form an die Wurzeln geschehen (Mühl). Normalerweise wird ein Boden garnicht auf Stickstoff untersucht, weil er so schnell ausgewaschen wird und dadurch stets ganz unterschiedliche Werte ermittelt werden.

 

Welche Mineralsalze in einem Boden vorkommen kann man auch an sogenannten Zeigerpflanzen ablesen: Brennessel zeigen Nitrat an usw.

 

Weitere Hinweise:

Zur Behandlung von Neupflanzungen von Streuobstwiesen werden folgende Empfehlungen Naturschutzverbänden u.a. gegeben:

 

Wir haben uns von Herrn Mühl vom Beratungsgarten Lohrberg beraten lassen. Dabei wies er uns noch auf folgendes hin.

1. In unserem Gebiet sind die Wühlmäuse eine ernste Gefahr gerade für junge Bäume. Sie fressen die Wurzeln ab und können sie dadurch zum Absterben bringen. Deshalb schützt man junge Bäume vor den Mäusen durch einen Hasendraht um den Wurzelballen. In das Pflanzloch wird das Drahtgeflecht gelegt, der Baum eingepflanzt und der überstehende Hasendraht bis an den Stamm klappen. Dadurch können die Wühlmäuse weder von der Seite noch von oben an die Wurzeln.

Wenn Ihr das machen wollt, müßtet Ihr dies im Januar oder Februar tun, also bevor die Bäume austreiben.

Wühlmausschutz kann man auch durch die Unterstützung der Feinde der Wühlmäuse betreiben. Sitzstangen für Raubvögel und Totholz- oder Steinhaufen für Wiesel sollten dann angelegt werden.

2. Die Kunststoffhüllen sollten im Frühjahr (nach dem Austreiben der Pflanzen) abgenommen werden, damit die Stämme genügend Sonne abbekommen.

 

So das wär’s!

Wenn Ihr weitere Fragen habt, könnt Ihr Euch an uns wenden. Wenn wir Zeit haben und was herausfinden können, helfen wir Euch gerne weiter (z.B. Zeigerpflanzen bestimmen und ähnliches). Wir können auch die Bodenanalysen im Frühjahr wiederholen und weitere Untersuchungen an Bodenlebewesen vornehmen. Dadurch könnte man die Entwicklung der Streuobstwiese gut verfolgen.

Schöne Ferien, fröhliche Weihnachten und

einen guten Rutsch ins Neue Jahr

Eure 12a der Ernst-Reuter-Schule 1

 


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