Im 15./16. Jahrhundert erlebte auch die Musik eine große Wende. Zwischen dem Mittelalter und dem Barock bzw. während dem Übergang in die Neuzeit finden sich in der Musik Bezeichnungen wie "Niederländische Schule", "Burgundisches Zeitalter der Musik" usw., weil dort der Wandel begann. Es finden sich, im Gegensatz zu der einfachen und meist nur zweistimmigen Musik des Mittelalters, erstmals mehrstimmige Stücke. Mit der starken Konzentration auf Tenor und Baß bildete sich der bis heute bewährte vierstimmige Satz, aufgeteilt in Sopran, Alt, Tenor und Baß (natürliche Stimmlagen des Menschen). Viele Stücke waren jetzt vierstimmig aufgeteilt in Sopran, Alt, Tenor und Baß, in denen es meistens eine Leitstimme gab, während die anderen begleitende Akkorde sangen oder mitspielten. Mehrstimmiger Gesang ist wahrscheinlich der Nachfolger der Gregorianik. Die Komponisten dieser Zeit (Komponisten) versuchten auch in der Musik eine "Blickrichtung auf den Menschen" zu vermitteln, d.h. die Musik menschlicher, harmonischer, natürlicher, lebendiger usw. zu gestalten. Mit Hilfe "neuer" Kompositionsweise,- der Text und die Musik wurden aufeinander abgestimmt-, wurden Messen sinngemäß und gotteswürdig vertont. Hauptsächlich in Klostern, sogenannten Schulen der Musik und an Adelshöfen komponierten Kapellmeister und Organisten Oden, Psalmen, Hymnen, Motetten (mehrstimmige kurze Lieder), über 5 bis 8-stimmige Madrigalen bis hin zu Opern. Die Musik bekam Ausdruckskraft und große Vielfältigkeit durch die Mehrstimmigkeit (Polyphonie ) und die Instrumentalisierung. Mit Hilfe der Musik und der "neuen" Kompositionsweise wurde Gott gepriesen und die durch Polyphonie erreichte Ausdruckskraft und Vielfältigkeit (durch instrumentale Begleitung der entgegengesetzten Vokalstimmen) wurden dazu benutzt, die Musik heiliger zu machen und würdig, um in Messen den religiösen Geist der vergangenen Zeit auszudrücken. Es gab aber auch sogenannte "scherzi musicali", kleine kurze Musikstücke über Wein (Vorgänger der heutigen Sauflieder), aber immer alles huldigend, odenartig musikalisch dargestellt.
Quellennachweis:
Im sechzehnten Jahrhundert gab es erstmalig selbständige Instrumentalmusik. Doch unser heutiges Orchester kannte man damals noch nicht. Der Begriff "Orchester" stand für den Platz, an dem sich die Instrumentalisten befanden. Außerdem waren die Orchesterbesetzungen noch nicht gleichbleibend und geregelt. Zum Akkordspiel geeignete Instrumente wie z.B. Lauten, Cembalos, Theorben und Chitaronen gewannen immer mehr an Bedeutung. Andere bevorzugte Instrumente waren die Blasinstrumente. Flöten, Hörner, Zinken und Trompeten waren weit verbreitet. Allerdings wurde damals im Gegensatz zu heute hauptsächlich auf Blockflöten und nicht auf Querflöten gespielt. Instrumente wie die der Viola-da-Gamba-Familie waren die wichtigsten Streichinstrumente der Ensemblemusik und bedeutende Soloinstrumente. Diese Gamben wurden zum Spielen auf die Beine gestützt und hatten sechs Darmsaiten. Zusätzlich gab es die Streichinstrumente der Viola-da-Braccio- Familie (Armgeigen). Die ersten fünfstimmigen Streichersätze und Violinsonaten entstanden. Im sechzehnten Jahrhundert gab es auch noch andere Frühformen und Vorgänger von Instrumenten, die wir heute noch kennen. Die Guitarra Espanola, eine Frühform unserer heutigen Gitarre, mit fünf Saitenpaaren war verbreitet in Spanien, Frankreich und Italien. Sie wurde von Künstlern und Amateuren gleichermaßen gespielt. Außerdem entstanden einfache Formen des Fagotts und der Oboe. Das Chalumeau, das damals weit verbreitet war, ist der Vorläufer unserer heutigen Klarinette. In der Renaissance war die Orgelmusik weit verbreitet. Die Orgel wurde endgültig räumlich an die Kirche gebunden. Die Orgelmusik wurde zur typischen Gottesdienst- und Geistlichenmusik. Es wurden u.a. viele Orgelmessen und Hymnen komponiert und gespielt. Besonders typisch für diese Zeit ist die mehrstimmig gesungene Musik. Es entstanden die heute noch typischen vierstimmigen Sätze. In den Kirchen wurde oft von Chören gesungen, wobei die Altlage von Männern im Falsett gesungen wurde, da Frauen der Zutritt in Kirchen verboten war. Sie sangen hauptsächlich Vertonungen der Messe und des Offiziums und der Motette.Wichtig in der weltlichen, gesungenen Musik waren die französischen Chansons und italienische sowie spanische Formen, das deutsche und englische Lied. Gepflegt wurden sie sowohl in aristokratischen als auch in bürgerlichen Kreisen. Eine andere große Neuheit waren die ersten Opern.
Es gab in dieser Zeit zwar relativ viele Komponisten, doch die meisten von ihnen sind heute weniger bis gar nicht mehr bekannt. Die meisten großen, heute noch bekannten Komponisten lebten erst später im Barock oder danach. Mozart zum Beispiel lebte erst 1756-1791, also lange nachdem die Renaissance beendet war. Die meisten und wahrscheinlich zu der Zeit auch die bedeutendsten Komponisten,die ich gefunden habe, kamen aus Italien oder haben dort gelebt oder gearbeitet. Die meisten Komponisten waren Kapellmeister und/oder Hofkomponisten. Viele von ihnen waren auch noch Organisten. Es wurden hauptsächlich Madrigale und Motetten geschrieben. In der Sixtinischen Kapelle wurden vom 16.-19-Jahrhundert Kastrationen vorgenommen, um die Sopran und Altstimmen von Knaben zu erhalten. Mir ist aufgefallen, daß es nur männliche Komponisten gab. In den Büchern ist nicht eine Frau aufgetaucht. Ich habe mal ein paar Komponisten als Beispiel aufgeschrieben:
Man könnte seitenweise so weiter schreiben, aber ich denke, es reicht als Überblick. Ich denke, es waren alle Komponisten in ihrem speziellen Fall und Gebiet und in ihrer Zeit wichtig. Man kann meines Erachtens nicht von einem bedeutenden Komponisten sprechen, man muß jeden Komponisten einzeln in seinem Umfeld betrachten, wann und wie er gelebt hat. Tatsache ist, daß fast alle für die Kirche gearbeitet und sehr viele Stücke geschrieben haben. Meistens waren es Motetten, Madrigale, Messen für die Kirche, Madrificats, deutsche Lieder, Chansons, Psalme Hymnen usw..