Zu dieser Zeit war das Leben durch Krankheiten massiv geprägt. Zum einen brachte der Aussatz, wie die Lepra damals genannt wurde, großes Unheil über die Völker. Während die Lepra bereits zur Zeit der Römer nach Europa gebracht wurde, erlebte diese ansteckende Krankheit mit der Städtebildung ihre grausamste Zeit. Man versuchte, durch die Isolation der Kranken, sie lebten fortan getrennt in Siech- oder Leprahäusern, dieser Krankheit zu entkommen. Doch die Bevölkerung zeigte sich solidarisch, und so gelang es den Kranken zumindest, sich durch das Betteln bis zu ihrem Tod zu ernähren.
Die andere Krankheit, die die Menschen heimsuchte, war die Pest (oder auch: der schwarze Tod). Ihr erlagen im l4.Jahrhundert die meisten Menschen, und - anders als bei der Lepra - konnte man die Pest nicht stoppen. Zu allgegenwärtig war sie, und es gab kaum eine Familie, die nicht betroffen war. Zwischen 1347 und 1357 übertrug die schwarze Hausratte von Konstantinopel her den krankheitserregenden Floh über ganz Europa. Es starben so viele Menschen daran, daß in Göttingen zum Beispiel nur noch zwei Ehepaare übrig blieben Es traf hauptsächlich Kinder, Alte und Kranke, so daß die Menschen mittleren Alters - also die fruchtbarsten - überlebten. Die Geburtenrate stieg somit anfangs, doch bald war die Zahl der Toten wieder höher als die der Neugeborenen.
Die Einstellung zur Familie änderte sich. Ein Kind kostete mehr Geld, da das Leben allgemein teurer wurde; manche wurden einfach heiratsmüde und andere heirateten wesentlich ältere, reiche Partner. Auch starben zu der Zeit sehr viele Menschen bei der Geburt oder als Kinder. Konrad Rohrbach zum Beispiel, ein reicher Frankfurter Patrizier, starb 1800. In den folgenden 150 Jahren wurden in der Familie Rohrbach 65 Kinder geboren, von denen aber nur 18 ihre Eltern überlebten und nur 12 heirateten. Die Familien waren zu dieser Zeit auch nicht so groß, wie lange angenommen. Auf dem Lande lebten in einer Familie durchschnittlich 2 bis 5 Kinder, während es in der Stadt ca ein Kind weniger war. Der Tod riß so viele Familien auseinander, daß es nicht selten war, daß ein Kind nur noch Stiefgeschwister und -eltern hatte. Die Flexibilität und die Bereitschaft zu Kompromissen war groß und die Menschen offen. Sie schliefen ohne Nachthemd in einem Raum und benutzten klare Symbole. Wer einen guten Pelzmantel trug oder in der Kirche ganz vorne saß, war aus gutem Haus. Die Erziehung und die Fürsorge für die Kinder begann schon vor der Geburt. Man nahm schon damals an, daß, wenn sich die angehende Mutter während der Schwangerschaft aufregt, das Kind einen Schaden davontragen könnte. Doch achtete man auf viel Bewegung, Gesang, Musik und verschiedene Farben für das geistige und körperliche Wohl des Kindes. Mit zunehmendem Alter nahm auch die Härte der Erziehung zu. Wieder einmal folgte man dem Rat der Kirche nach dem Zitat aus der Bibel: „Wer sein Kind liebt, hält es unter der Rute." Die meist geistlichen und weltlichen Gegner wandten sich entschieden gegen diese Pädagogik. Für die schulische und private Bildung der Jugendlichen veröffentlichte der katholische Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdamm 1520 das Buch ,,Vertrauliche Gespräche". Darin wurden erstmals heikle Themen wie die Vor- und Nachteile der Prostitution oder das Verweigern von ehelichen Pflichten offen diskutiert.
Ein Beispiel für das Leben als Jugendlicher zu der Zeit bieten uns die Aufzeichnungen von Johannes Butzbachs Leben aus dem Jahr 1478. Mit zehn Jahren wird er nach einem körperlichen Mißbrauch des Lehrers aus der Schule genommen. Anschließend war die Mutter offenbar Autoritätsperson genug, um beim Stadtrat für den Rausschmiß des Lehrers zu sorgen. Noch im gleichen Jahr gaben die Eltern Johannes als ,,Schützen" in die Lehre des älteren Nachbarjungen. Es war zu der Zeit durchaus üblich, die Kinder früh in die Lehre zu geben, damit sie in der Ferne Erfahrungen sammeln konnten. Doch er geriet an die Falschen und sie zogen bettelnd und stehlend durch das Land. Ähnlich erging es auch dem 1500 geborenen Thomas Platter. Sie organisierten sich ganz nach Vorbild der Erwachsenen in Zünften und verfügten eigenständig über Recht und Unrecht. Wenig Ältere zeigten den Jüngeren, wie man mit krummen Touren durchs Leben kommen konnte. Die Pubertät und ähnliche Probleme spielten sich - wenn überhaupt - viel kürzer als heute außerhalb der Familie ab. Doch aus ihnen wurden keine Sozialfälle, wie man nach moderner Schlußfolgerung annehmen müßte, sondern aus Johannes Butzbach wurde ein Mönch, Kunsthistoriker und schließlich Prior in dem berühmten Kloster Maria Laach. Thomas Platter wurde Buchdrucker, Lehrer und Leiter der städtischen Schule in Basel, er wurde ein hoch angesehener Bürger der Stadt.
Allgemein waren Familien sehr erwünscht. Verhütung und Abtreibung wurden strafrechtlich verfolgt und Ledige wurden mit Zusatzsteuern belastet. Auch für die Bildung der Frau machte sich der Humanismus stark. Der Ravensburger Humanist Michael Hummelberg schreibt 1524; „Nichts ist seltener und wunderbarer, als wenn eine Frau versucht, durch Erziehung und Beredsamkeit selbst mit den gelehrtesten Männern in unentschiedenem Kampf zu kämpfen und den Siegespreis an sich zu ziehen."