Fächerübergreifendes Projekt der 11f im Februar 1997
Silke Winzig


Jakob Fugger (1459-1525)


1. Die Persönlichkeit Jakob Fuggers / zum Anfang

Jakob Fugger war eine selbstbewußte Persönlichkeit des damals aufstrebenden Bürgertums. Er war kühl berechnend und sachlich was seine Arbeit betraf. Bemerkenswert war sein Orgenisationstalent und er schreckte vor keinem Trick zurück, um seine Vorhaben und Ziele zu erreichen. Er wird in seiner Art als eher bäurisch beschrieben, jedoch hatte er eine hohe Selbstdisziplin.

Jakob Fugger ließ sich selten von Emotionen leiten außer in seiner Einstellung zum Glauben. Obwohl er selbst genau wußte wie fragwürdig die Praktiken der katholischen Kirche waren, war er selbst sehr fromm. Er kaufte eine große Menge Ablaßbriefe für sich und seine Frau. Auch sorgte er dafür, daß nach seinem Tod in der Messe für ihn gebetet und gesungen wurde.

Er interessierte sich für den Fortschritt in der technischen Entwicklung, hatte jedoch, im Gegensatz zu seiner Frau Sybille, wenig für künstlerische und kulturelle Neuerungen übrig.

In seiner politischen Einstellung unterstützte er stets die Habsburger Monarchie, obwohl er auch hier wissen mußte, wie kaputt und verschuldet deren Staatswesen war; schließlich war er der größte Gläubiger der Habsburger. Mit seinem Geld finanzierte er die Wahl Karls V. zum Kaiser.

1498 heiratete Jakob Fugger Sybille Artzt, eine Frau aus dem Augsburger Großbürgertum. Sie war mit vielen Persönlichkeiten der Augsburger Oberschicht verwandt und ermöglichte Jakob so den gesellschaftlichen Aufstieg. Die Ehe blieb kinderlos. (Zeit- und Lebensdaten)

2. Die Familie / zum Anfang

Jakob Fugger der Ältere verstarb 1469 und hinterließ seiner Frau Barbara 7 Söhne und 3 Töchter und die gutgehende Augsburger Firma "J. Fugger & Söhne". Die Töchter wurden gut verheiratet, die fünf ältesten Söhne sollten ins Geschäft eintreten, die jüngeren, Markus und Jakob, sollten in den Dienst der Kirche gehen.

Jakob, geboren am 06.03.1459 in Augsburg wurde in einem Kloster erzogen und hatte bereits die niederen Weihen eines Kanonikus erhalten, als sein Bruder Ulrich, das Familienoberhaupt, sich durch den Tod von vier seiner Brüder gezwungen sah Jakob ins Geschäft zu holen. Jakob trat mit 19 Jahren ( 1478) in die Firma ein, die von den Brüdern Ulrich, Georg und Jakob nun gemeinsam geleitet wurde.

(Frühgeschichte der Familie)

3. Lehrjahre / zum Anfang

Sein erstes Geschäftsjahr verbrachte Jakob in Italien, das mit seinen Zentren Rom, Florenz und Venedig als führend in der damaligen Geschäftswelt galt. Besonders im "Fondacio dei tedeci", dem Handelshof der Deutschen in Venedig lernte Jakob ein neuartiges System der Buchführung und die subtile Art der Handelsbeziehungen zwischen Fürstenhäusern, Kirche und Kaufmannschaft kennen.

1479 taucht Jakob Fugger erstmals in den Steuerbüchern der Stadt Augsburg mit einem Vermögen von 60 Gulden auf.

Als nächstes inspizierte er die Firma mit ihren Außenstellen ( Faktoreien ) zwischen Antwerpen und Budapest und lernte die dortigen Faktoren der Firma kennen. Diese Faktoren waren Filialleiter mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen und gleichzeitig auch Diplomaten der Fugger.

Danach entschied sich Jakob in den Erzhandel und das Bergbaugeschäft einzusteigen. Dies war eine Wachstumsbranche. 1450 arbeiteten ca.10 000 Menschen im Bergbau, 100 Jahre später bereits 100000 Menschen. Jakob Fugger kaufte kleinere Firmen des Salzburger Silberbergbaus auf.

4. Ausbau der Firma: Die Methode Fugger / zum Anfang

Der Ausbau der Firma " Jakob Fugger & Söhne" stellt das Lebenswerk des Jakob Fugger dar und ist sein besonderer Verdienst. Deshalb wird hier ausführlicher darauf eingegangen. Nach dem Salzburger Silber verschaffte sich Jakob Fugger die Rechte auf die Ausbeutung des Tiroler Silbers. Als Sicherheit für Kredite, die er Herzögen und Fürsten gab, ließ er sich die Tiroler Silbergruben überschreiben und bestand zudem noch auf der Bürgschaft der Tiroler Gewerke, die den Abbau betrieben.

Jakob sorgte durch die Verträge dafür, daß es den Schuldnern nicht notwendig erschien die Rückzahlungen einzuhalten und so verschuldeten sich die vornehmen Ausleiher immer mehr. Der Firma Fugger gelang mit den Silberrechten der Einstieg in den Münzhandel.

Durch die Bekanntschaft mit Johann Thurzo, einem erfahrenen Bergbauingenieur gelang es Jakob Fugger, seine Geschäft nach Ungarn auszuweiten. Ungarn verfügte über reiche Kupfervorkommen und Fugger verschaffte sich über Strohmänner die Abbaurechte. Jakob Fugger gründete den "Gemeinen Ungarischen Handel" mit Thurzo als gleichberchtigtem Partner und beutete über diese neue Firma die Kupfervorkommen Ungarns mit neuen Techniken schneller und effektiver aus als dies zuvor der Fall war. Fugger erreichte eine Vormachtstellung auf dem internationalen Metallmarkt.

Um 1495 ließ Jakob Fugger mehrere Schmelz- und Hüttenwerke erbauen. Ein Beispiel ist das Schloß Fuggerau bei Villach, eine Mischung aus Verhüttungsbetrieb, Waffenschmiede und Wehranlage. Diese Betriebe vervollständigten das Firmenkonzept im Montanbereich.

Durch einen Gesellschaftervertrag ordnete Jakob Fugger die Firma. Er erlangte die Gleichberechtigung der drei Brüder , bisher war Ulrich Fugger der Firmenchef gewesen. Außerdem enthielt der Vertrag Regelungen zur Erbfolge und Jakob sicherte sich so seine Interessen in der Firma.

Ein weiteres Tätigkeitfeld der Firma Fugger waren die Geschäfte mit der katholischen Kirche. Die Firma bot reichen Kirchenmännern eine Möglichkeit ihr Geld diskret anzulegen, indem sie es gegen Zinsen in das Unternehmen investierten. Gleichzeitig stellten die Fugger der Kirche Kredite zur Verfügung, handelten mit freiwerdenden Kirchenämtern ( Pfründen) und sorgten für die Überweisung der Kirchengelder aus Nordeuropa nach Rom. Joannes Zink, der Fuggerfaktor in Rom, öffnete der Firma alle Türen des Vatikans und machte Jakob Fugger zu dem "Bankier der Päbste". Der Ablaßhandel wurde auch ein Geschäft für die Firma Fugger. Mit der Vergebung der Sünden gegen Geld und der Angst der Gläubigen vor dem Fegefeuer der Hölle wurde viel Geld verdient. Fugger sammelte dieses Geld in seinen Faktoreien ein, hatte das Recht die Ablaßtruhen zu öffnen und überwies einen Teil des Geldes nach Rom.

Die Verelendung der breiten Bevölkerung einerseits und die Ausbeutung durch Kirche und Lehnsherren andererseits begünstigte die Reformationsideen von Calvin, Luther und anderen. Martin Luther verurteilte Geld- und Zinsgeschäfte. Jakob Fugger hingegen unterstützte weiterhin die katholische Kirche und finanzierte die Soldaten des "Schwäbischen Bundes" zur Niederschlagung der Bauernaufstände.

Maximilian I., König des heiligen römischen Reiches deutscher Nation seit 1486 aus dem Hause Habsburg, war einer der größten Schuldner Jakob Fuggers. Nicht nur für seine Kriegszüge, sondern auch zur Finanzierung seines ritterlichen Lebensstils mußte er immer wieder Kredite bei den Fuggern aufnehmen. Dadurch, daß wichtige Berater und Hofbeamte des Königs von Fugger bezahlt wurden, blieb der Firma Ihre Stellung bei Hofe stets erhalten.

Jakob ließ sich für die Kredite Rechte an Bergwerken, Landbesitz und Titel übertragen. Am Ende war Maximilian I. so arm, daß er sich für ein Festbanquett alles bei den Fuggern ausleihen mußte, sogar die Tischdecken. Nach dem Tod Maximilians I. sorgte u.a.das Haus Fugger mit seinen finanziellen Mitteln dafür, daß der Enkel, Karl V., König von Spanien von den deutschen Fürsten zum Nachfolger gewählt wurde. Damit war die Rückzahlung der erheblichen Kredite ebenso gesichert wie der politische Einfluß des Hauses Fugger. Zudem erlangte Jakob Fugger so die Rechte an der Ausbeutung spanischer Quecksilbergruben und konnte ein Monopol für den Handel mit diesem Metall errichten.

In ganz Deutschland gab es Aufstände der Bauern und Handwerker. Die Vermögensverteilung in Augsburg im Jahre 1471 macht die soziale Situation der Bevölkerung deutlich; " 65,4% der Bevölkerung waren ohne Vermögen, 31,6% versteuerten ein Vermögen von weniger als 10 Gulden, 0,8% der Bewohner besaßen mehr als 100 Gulden." ( Ogger)

Wegen seines Reichtums hatte Jakob Fugger einen schlechten Ruf bei der Augsburger Bevölkerung. Um dies zu ändern beschloß er 1516 den Bau der "Fuggerei", der ersten Sozialsiedlung der neueren Geschichte. In ihr durften Augsburger Tagelöhner und Handwerker oder andere Arme, die als rechtschaffen und fleißig galten, für einen Rheinischen Gulden Jahresmiete wohnen. Es wurden 106 Dreizimmerwohnungen in 53 Reihenhäusern gebaut. Jakob Fugger soll an den Plänen selbst mitgearbeitet haben. Die Verträge gelten heute noch und die Jahresmiete beträgt heute 1.72 DM.

Wichtig für den Erfolg der fuggerschen Firma war das schnelle und ausgeklügelte Informationssystem. Jakob Fugger erhielt durch seine Faktoreien, die europaweit ausgebaut waren, wichtige Informationen schneller als der König oder andere wichtige Persönlichkeiten und Geschäftsleute. So konnte er als erster auf Veränderungen reagieren und neue Pläne für seine Geschäfte schmieden. Am Ende wurden regelmäßig gedruckte Depeschen weitergeleietet, die sogenannten Fuggerzeitungen. Die Macht des Fuggerkonzerns und die fuggerschen Handelswege waren so weit verbreitet, daß es für die damalige Zeit wie ein Imperium wirkte, das von der "goldenen Schreibstube" in Augsburg regiert wurde. Wie ein Netz überspannen die Faktoreien ganz Europa und machten den Einflußbereich der Fugger deutlich.

( Historische Bedeutung)


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