Fächerübergreifendes Projekt der 11f im Februar 1997
Christiane Bertus


Alltag und Lebensweise der frühen Bürger

Nicht die Familie, sondern das Haus bildete in der frühen Neuzeit die zentrale Lebensordnung. Es schützte nicht nur seine Bewohner, sondern bot ihnen auch Wohnstatt und Arbeitsplatz. Alle Angehörigen der Familie arbeiteten zusammen im Familienbetrieb. Jeder vertrat eine Rolle, die ihm durch den Hausherren zugeteilt wurde. Der Hausherr, auch Hausvater genannt, hatte das Sagen. Ihm unterstanden alle Familienmitglieder, er war gleichsam ein König oder Fürst in seinem Haus.

Es gab zwar keine rigide Trennung zwischen männlicher und weiblicher Arbeit, doch die Tradition gab vor, daß die innerhäusliche Arbeit der Frau und die außerhäusliche dem Mann zugesprochen wurde. Der Hausvater verrichtete alle Arbeit außerhalb der eigentlichen Haushaltsführung. Er tätigte alle offiziellen Außenkontakte, wie Verabredungen mit der Nachbarschaft, Vertragsabschlüsse Handel oder auch Besitzverkauf. Er bestellte die Äcker, versorgte das Vieh oder führte ein Handelshaus. Solange es nur um die Produktion des Hausbedarfes ging , waren alle Tätigkeiten prinzipiell austauschbar. Eine Frau durfte plötzlich ernten und sähen, in einem handwerklichen Betrieb helfen oder die Buchführung eines Handelshauses übernehmen. Der Hausvater trug die Verantwortung für alles, was mit seiner Familie zu tun hatte; er mußte ihr eine Stellung in der Gesellschaft schaffen.

Man legte damals großen Wert auf ein sittlich-moralisch einwandfreies Leben. Das Haus mußte stets christlich gehalten werden und regelmäßige Kirchgänge waren selbstverständlich. Man glaubte an ein Leben nach dem Tod, an ein Leben, das unter der Erde weiter ging.

Viele Leute hatten Angst nicht richtig beerdigt zu werden, denn man glaubte ohne Grab fände die Seele eines Menschen keine Ruhe. Man erzählte sich auch , daß die Seele ohne Grab ewig umherirren müßte. So war es ihr nicht möglich, an die sogenannten Grabgaben zu gelangen und sie quälte und erschreckte die Menschen, um ein Grab als Behausung zu bekommen.

Man fürchtete also mehr die ausbleibende Bestattung als den Tod an sich, denn nur die Bestattung verhalf zur ewigen Ruhe und zum ewigen Glück.

Allmählich entwickelte sich eine neue Auffassung vom Tod. Man glaubte zwar immer noch an eine unterirdische Region, doch nun glaubte man an ein Leben aller Seelen zusammen, wo jede Seele Strafe oder Lohn für ihre Lebzeiten erhielt. Aus diesen alten Glaubensvorstellungen könnte die Vorstellung der Seelenwanderung entstanden sein.

Für die meisten Menschen war ausreichendes Essen nicht alltäglich. Es gab zwar immer wieder ein paar gute Jahre , doch meistens fiel die Ernte so schlecht aus, daß noch nicht einmal Saatgut für die nächste Saat vorhanden war. Alle, Reiche wie auch Arme, waren davon betroffen. Doch wie immer litten die ärmeren Menschen mehr darunter.

Je nach Stand und Besitz waren die Essgewohnheiten der Menschen sehr unterschiedlich. Hauptsächlich wurde Brei gegessen, er wurde entweder aus Hafer oder Hirse zubereitet. Man konnte ihn jedoch auch aus Buchweizen, Gerste und Weizen herstellen. Um eine warme Mahlzeit zu sich nehmen zu können, verarbeiteten die ärmeren Menschen den Brei zu sogenannten gerösteten oder gebratenen Fladen, die man dann in Wasser wieder aufweichen konnte. Brot zählte noch nicht zu den Hauptnahrungsmitteln. Man verzehrte es meist in den höheren Ständen und dort galt es lediglich als Zuspeise. Auch Fleisch war nicht sonderlich begehrt, es wurde zwar gegessen, aber die Menschen bevorzugten Getreidespeisen, Suppen, Gartenerzeugnisse wie Kraut, Gemüse und Obst.

Die wichtigste Nahrung wurde für viele Leute die im 18. Jh. aus Amerika eingeführte Kartoffel.

Als alltägliches Getränk trank man Bier, Wein hingegen wurde nur selten und nur in bestimmten Gegenden getrunken.

Anfangs des 16. Jhs. aß man noch mit der Hand und meist aus gleichen Schalen, als Besteck gab es nur Messer und Löffel. Dies war in allen Schichten gleich. Nach und nach benutzte man in der Oberschicht Gabeln, Teller und sogar Servietten. Diese neue Eßkultur schuf Distanz zum Volk. Leute, die sich einen solchen Luxus nicht leisten konnten, zählten nicht zur höheren Gesellschaft.

Trinkgläser, Tischdecken und Besteck wurden immer luxuriöser und vornehmer und aus Küchen wurden prunkvolle Speisezimmer, welche sich natürlich nur die Oberschicht leisten konnte. Langsam entwickelte sich eine Tischordnung, sie spiegelte die Rollenverteilung in der Familie wieder. Oft aßen Frauen und Männer getrennt.

Im 17. Jh. kamen die ersten Tischsitten zum Vorschein. Rülpsen, Furzen, Schmatzen, Schlürfen und unsittliche Gespräche wurden bei Tisch verboten. Es galt auch als gute Sitte vor und nach jeder Mahlzeit zu beten.

In der frühen Neuzeit legten die Menschen schon sehr viel Wert auf Kleidung. Sie unterschieden schon zwischen Festtags- und Alltagskleidung. Meist waren die Kleider sehr üppig und farbenfroh, die Schnitte waren sehr figurbetont und ihre modische Erscheinung wechselte rasch. Hüte gab es in allen Formen und Farben. Kleider dienten eigentlich nur zum Zweck, zu zeigen, woher man kam. Je nach Pracht der Kleidung gehörte man zu einem bestimmten Stand.

Als angesehener Mann trug man Strümpfe, Schuhe, Hosen einen Wams und darüber einen Rock oder Mantel. Der Hut und ein Messer, welches später durch einen Degen ersetzt wurde, durften nicht fehlen. Als Frau kleidete man sich mit Schuhen, Unterwäsche und Röcken, dann ein Mieder, Kopftuch oder ein Hut. Natürlich konnten ärmere Leute sich nicht solche üppigen und teuren Gewänder leisten, sie waren meist nur mit dem nötigsten bekleidet. Oft besaßen sie noch nicht einmal Schuhe.

Quellenangabe:
- Richard van Dülmen: Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit, Bd. 1, München 1990
- Ph. Ariès: Geschichte des privaten Lebens, Ffm 1991


Zurück zur vorherigen Seite Zurück zur Titelseite Weiter zur nächsten Seite