Fächerübergreifendes Projekt der 11f im Februar 1997
Silke Winzig


Niccolo Machiavelli (1469-1527)

Vorbemerkung: Die Medici

Seit etwa 1200 war das bedeutendste Florentiner Handelshaus das der Medici. Durch Wollhandel und internationale Bankgeschäfte waren sie zu enormem Reichtum gelangt. Ihr politischer Einfluß war so groß, daß sie Florenz als ungekrönte Herren regierten. Nach dem Tod Lorenzo de Medicis, der auch ein bedeutender Fördererder bildenden Künste war, unterwarf sich sein Nachfolger Pietro, der ,,Pechvogel", den Franzosen, die in Italien eingefallen waren. Deshalb wurden die Medici 1494 von den wütenden Florentinern aus der Stadt vertrieben.Erst 1512 zogen sie unter dem Schutz des Papstes wieder in Florenz ein.

(Die Medici)


Niccolo Machiavelli

Geboren 1469 in Florenz als Sohn eines verarmten Landadelsgeschlechts, machte er schon in jungen Jahren eine vielversprechende Karriere. Mit gerade 19 Jahren wurde er Angestellter in einer angesehenen florentinischen Bank. Durch seinen Förderer Berto Berti, der 1492 sein eigenes Bankhaus gründete, gelangte Machiavelli bereits mit 24 Jahren in die Stellung eines Prokuristen. Nach dem plötzlichen Tod seines Förderers ging er 1495 nach Rom. 1498 kehrte er nach Florenz zurück, wo er ein Staatsamt in der Außenpolitik übernahm. Nach 14 Jahren in Wohlstand und Ansehen wurde Machiavelli 1512 von den zurückkehrenden Medici der Verschwörung beschuldigt und nach Folter und Gefängnis aus der Stadt gejagt. Jahrelang versuchte er vergeblich, die Gunst der Medici zu erlangen, bis er etwa 1519 wieder politische, allerdings unbedeutende Aufgaben erhielt. Machiavelli starb 1527 im Alter 58 Jahren in Florenz.

In den Jahren seines Exils widmete er sich schriftstellerischen Arbeiten, in denen er an Beispielen aus der Antike und der eigenen Zeit die Menschen und ihre Verhältnisse schilderte. Dabei wagte er als erster ganz offen die Frage nach der ,,Vereinbarkeit von Politik und Moral" zu stellen. Sein bedeutendstes Werk ist ,,IL Principe" (Der Fürst), welches er Lorenzo de Medici widmete (1513 geschrieben, 1532 Erstdruck).

Die hier niedergeschriebene Grundidee des Autors ist gewissermaßen eine Anleitung zum politischen Handeln und wird heute als Machiavellismus (= der politische Zweck heiligt die Mittel) bezeichnet.

In seinen praktischen Anweisungen für einen modernen Fürsten, dem „Principe", vertritt Machiavelli die Theorie, auch Lügen, Betrügen und Morden sei gerechtfertigt, wenn die ,,Staatsräson" es erfordere. Der Fürst ,,darf nicht ganz von den Wegen des Guten abgehen, solange dies möglich ist. Erst dann muß er ohne Bedenken Verbrechen begehen, wenn die äußere Not es erfordert..."

Auch wenn Machiavellis Thesen zunächst sehr radikal klingen, wollte er darunter verstanden haben, daß all dies nicht aus Eigennutz der Herrscher geschehen dürfe, sondern nur um die Ordnung des Staates herzustellen und zu erhalten. Sein Ideal ist die gut regierte, wohlgeordnete Republik, die den Menschen Frieden und Freiheit gewährleistet. Dieses Ziel, so glaubt er aus seiner Erfahrung und seinen Studien der florentinischen Geschichte heraus, ist nur zu erreichen, indem die Menschen durch Gesetz und Gewalt zur Einordnung in eine Staatsgemeinschaft gebracht werden. ,,Man muß davon ausgehen, daß alle Menschen böse sind"

,,Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muß unter einem Haufen, der sich nicht daran kehrt, zugrunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, sich darauf verstehen, nach Gelegenheit schlecht zu handeln..."

Ouellennachweis:
- P.M. - Das historische Ereignis, ,,Leonardo da Vinci und die großen Meister der Renaissance",Heft11/1996, S.53-57
- Geschichte in Gestalten Bd.3, Hg.: Hans Herzfeld - Geschichtliche Weltkunde, Bd. 2, Frankfurt 1977
- Der Große Brockhaus, Band 7, 1955


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